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Werkstatt-Anthologie "Südtangente 20/50"
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Werkstatt-Anthologie
"Südtangente 20/50"
Die vorliegende Anthologie
vereinigt Ergebnisse aus der Schreibwerkstatt »spiel.arbeit.fest«,
die 2009 vom »Schreibwerk Erfurt« im Kulturrausch e. V. anlässlich
des Erfurter Kulturjahresthemas »90 Jahre Bauhaus« veranstaltet
worden ist.
»Das Spiel wird
Fest, das Fest wird Arbeit, die Arbeit wird Spiel« – bei diesem
zentralen Motto des Bauhauses spielte die Werkstatt als Ort der Inspiration
und Kreativität eine wichtige Rolle. Hier wurde zum einen jenseits
der vorgeschriebenen Konventionen künstlerisch experimentiert, zum
anderen legte das Bauhaus viel Wert auf die Ausbildung handwerklicher
Fähigkeiten. Die Werkstattergebnisse schließlich wurden auf
Themen-Festen der Öffentlichkeit präsentiert. Dieser Ansatz
bildete die Grundlage für unser Projekt. Wir verstehen die Schreibwerkstatt
somit als einen offenen Raum, in dem alle Teilnehmenden, ob schreiberfahren
oder nicht, die Möglichkeit haben, mit Sprache zu spielen und sich
Schreibtechniken anzueignen. Dabei geht es nicht um das Besprechen fertiger
Manuskripte, sondern zunächst darum, über Schreibaufgaben eigene
Texte zu Papier zu bringen, die Ergebnisse in der Gruppe zu diskutieren
und dabei auf grundlegende Dinge zu achten: interessante Figuren, dichte
Beschreibungen, Spannungsbogen, Metrik, Reim, Strophe. Dinge also, die
man lernen kann. So entstehen Arbeitstexte, die überarbeitet, verarbeitet
oder verworfen werden können. Die Werkstatt als Textlabor.
Inhaltlich haben wir
einen weiteren wichtigen Bauhaus-Gedanken aufgenommen: den der sozialen
Utopie – der Suche nach einem besseren, schöneren Leben. Hierzu
wurden von den Teilnehmenden Figuren entwickelt, die im Jahr 2050 in einem
Haus in Neu-Erfurt, Südtangente 20/50, gemeinsam leben und arbeiten
sollten, gesellschaftliche Wunschvorstellungen inklusive. Neben dem eigentlichen
Schreiben wurden so bedeutsame Fragen diskutiert: Gibt es noch Eigentum?
Wie sehen die Tauschmittel aus? Wie kommunizieren wir und wie funktioniert
eine Hausgemeinschaft in 40 Jahren? Die Werkstatt wurde also auch zu einem
Ort der Debatte über unsere Zukunft.
In vier zweitägigen
Schreibwerkstätten entstanden so Texte ganz unterschiedlicher Genres:
Kurzbiografien, Pressetexte, Dialoge, Gedichte oder Reportagen. Ziel war,
am Ende des Projektes von jedem der Teilnehmenden eine Kurzgeschichte
vorliegen zu haben, die Eingang in die Anthologie finden und zum Bauhaus-Literaturfest
dem Publikum präsentiert werden sollte. So gab es über die Werkstatttermine
hinaus mehrere Treffen, in denen die Texte in der Gruppe besprochen und
anschließend erneut überarbeitet wurden. Ein Prozess, der sowohl
die Schreibgruppe näher zusammenbrachte als auch die Qualität
der Texte erhöhte. Dass wir als Werkstattleiter ebenfalls mitgeschrieben
haben, ist ein wichtiger Aspekt unseres Ansatzes.
So lesen wir Texte,
die das utopische Moment in ganz unterschiedlicher Weise aufgenommen haben.
Einige sind sehr nah an der heutigen Alltagswelt, andere tragen düstere,
ja bedrohliche Aussichten in sich. Das Reizvolle ist, dass die Figuren
in ihren Geschichten trotz der verschieden Szenarien, in denen sie wirken,
miteinander ins Gespräch kommen – ob im Treppenhaus, im Fahrstuhl
oder in der Gemeinschaftsküche. Sie sind Ingenieure, Informatiker,
Ärzte, Schüler oder Studierende. Sie bekämpfen das gesellschaftliche
System oder lassen sich darauf ein, sind Freelancer oder Privatiers, sind
lesbisch oder geschlechtslos, essen Tubennahrung oder Tomaten vom Acker
nebenan – eine bunte Hausgemeinschaft also, die sich an den Widersprüchen
der Zeit gehörig abarbeitet. Die Unterschiedlichkeit der literarischen
Herangehensweisen spiegelt aber auch die Heterogenität der Schreibgruppe
wider. So lag die Altersspanne der zwölf Teilnehmenden zwischen 18
und 68 Jahren – ein Fakt, der eine sehr produktive Arbeit ermöglichte,
weil dadurch ganz verschiedene Schreib- und Lebenserfahrungen in den Prozess
eingebracht werden konnten.
Für die Unterstützung
bedanken wir uns herzlich bei der Kulturdirektion Erfurt, dem »LernPlatz«
Erfurt sowie Weinstein »Le Bar«.
Im Namen
der Schreibgruppe wünschen wir viel Freude beim Lesen!
Thomas
Putz, Alexander Platz
Werkstattleiter
Das
Projekt wurde gefördert durch:
 
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